Stundenlohn Handwerker 2026: Richtig kalkulieren
Die häufigste Fehlkalkulation in 5–15-Mann-Betrieben: man verrechnet den Bruttolohn und wundert sich, warum nichts übrig bleibt. Die Formel, die Zahlen, und der Faktor 2,1.
Wir fragen bei jedem neuen Beta-Kunden dasselbe: „Mit welchem Stundenlohn kalkulierst du deine Angebote?" Die Antwort liegt in 7 von 10 Fällen zwischen 35 und 45 Euro. Und dann wundern sich die Chefs, warum sie nach 25 Berufsjahren kein Haus haben.
Das Problem ist nicht, dass sie zu wenig arbeiten. Das Problem ist, dass sie den Bruttolohn des Monteurs mit dem Verrechnungssatz verwechseln, den sie ihren Kunden in Rechnung stellen müssten. Das sind zwei völlig verschiedene Zahlen.
Der Fehler im Wort „Stundenlohn"
Wenn dein Geselle 18 € brutto pro Stunde verdient, ist das sein Stundenlohn. Dein Verrechnungssatz — das, was du dem Kunden pro Stunde in Rechnung stellst — muss diesen Stundenlohn ungefähr mal 2,1 nehmen, damit am Ende ein Gewinn übrig bleibt. Also irgendwo zwischen 55 und 75 Euro je nach Gewerk und Region.
Wer 35 €/h verrechnet, zahlt seinen Mitarbeiter praktisch aus der eigenen Tasche drauf. Er arbeitet wie ein Angestellter, hat aber das volle Unternehmerrisiko.
Woraus sich der Faktor 2,1 zusammensetzt
Man nimmt die Jahres-Bruttokosten eines Monteurs und teilt sie durch die produktiv abrechenbaren Stunden im Jahr. Das ergibt den Kostensatz — der Verrechnungssatz kommt noch mit Overhead + Marge drauf.
- Bruttolohn: 18 €/h × 40 h × 52 Wochen = 37.440 €
- Arbeitgeber-SV + Umlagen: ca. +22 % = 8.237 €
- Urlaub (30 Tage), Feiertage, Krankheit (ca. 10 Tage): ca. 240 unproduktive Stunden
- Weiterbildung, Geräte-Wartung, Werkstatt-Zeit: weitere 120 Stunden
- Produktiv abrechenbar: bleiben ca. 1.450 Stunden/Jahr (nicht 2.080)
- Kostensatz: 45.677 € ÷ 1.450 h = 31,50 €/h nur Personalkosten
Jetzt kommt der Teil, den die meisten vergessen: Büro-Miete, Versicherungen, Fahrzeuge, Werkzeug, Buchhaltung, Steuerberater, Marketing, Chef-Lohn. Das sind in kleinen Betrieben typisch nochmal 50–60 % Zuschlag auf den Personalkostensatz.
- 31,50 €/h Personalkosten × 1,55 Overhead-Faktor = 48,80 €/h Selbstkosten
- + 20 % Gewinnmarge (unternehmerisches Risiko) = 58,50 €/h
- Gerundet: 60 €/h Verrechnungssatz netto ist die Schmerzgrenze nach unten
Typische Verrechnungssätze DACH 2026
- Maler / Tapezierer: 55–68 €/h (Land), 65–78 €/h (Stadt)
- Fliesenleger: 58–72 €/h
- Trockenbauer: 55–70 €/h
- SHK-Monteure: 68–95 €/h (Meister), 58–75 €/h (Geselle)
- Elektriker: 65–90 €/h
- Dachdecker: 62–85 €/h
- Sanierungs-Spezialist (Wasserschaden): 72–95 €/h — Versicherungskunden tragen das
Unterhalb dieser Bänder wird es eng. Nicht weil die Konkurrenz besser wäre, sondern weil die Mathematik nicht stimmt.
„Ich habe 12 Jahre mit 42 €/h kalkuliert und dachte, ich hätte den Markt im Griff. Als ich endlich durchgerechnet habe, brauchte ich 63 €. Das erste Angebot mit dem neuen Satz — der Kunde hat unterschrieben, ohne zu zucken. Ich war der, der zu günstig war, nicht der Markt."— Beta-Kunde, Malerbetrieb Hamburg
Drei Fehler, die alle machen
- „Meine Mitarbeiter sind den ganzen Tag produktiv." Nein. Brutto 2.080 h/Jahr werden nach Urlaub, Krankheit, Weiterbildung, Werkstatt- und Fahrtzeit zu ~1.450 produktiven Stunden. Wer mit 2.000 rechnet, rechnet sich selbst in die Pleite.
- „Der Kunde zahlt mir nicht mehr als 45 €." Doch. In 90 % der Fälle zahlt er, was auf der Rechnung steht — er vergleicht selten den Stundensatz, sondern die Gesamtsumme des Angebots. Vernünftiger Satz, saubere Kalkulation, klarer Auftritt.
- „Stunden werden geschätzt, nicht gemessen." Wer seine echten Zeiten nicht kennt, kalkuliert aus dem Bauch. Mit Stoppuhr auf der Baustelle wird aus der Schätzung eine Zahl.
Was wir automatisiert haben
In Baustellenwerk hinterlegst du einen Verrechnungssatz pro Mitarbeiter-Typ (Meister, Geselle, Azubi). Die KI zieht ihn beim Angebot aus dem Baustellenfoto automatisch in die Kalkulation. Am Jahresende vergleichst du kalkulierte Stunden gegen tatsächlich erfasste — und siehst auf einen Blick, welche Aufträge deinen Satz getragen haben und welche nicht. So wandert deine Kalkulation von „Gefühl" zu „Controlling".
Das probierst du am besten selbst aus.
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